Wenn der Rücken leidet

Rückenbelastung bei verschiedenen Körperhaltungen und TätigkeitenBei Schmerzen sind sehr häufig Krankengymnastik oder Entspannungsverfahren eine adäquate Alternative zur Operation.

Text | Grafik: Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen

Operation bei Rückenschmerzen?
Die Techniker Krankenkasse rät zu Zurückhaltung.

Rückenschmerzen sind in Deutschland seit Jahren die häufigste Ursache für medizinische Rehabilitation und Arbeitsunfähigkeit. Jeder Zweite wird hierzulande im Laufe seines Lebens einmal von Rückenproblemen geplagt. Der aktuelle Gesundheitsreport 2011 der TK zeigt: Fast 1,4 Tage war jede Erwerbsperson in Niedersachsen wegen Rückenschmerzen oder Bandscheibenproblemen im letzten Jahr krankgeschrieben. Elf Prozent aller Krankschreibungstage in Niedersachsen sind damit rückenbedingt.

In keinem anderen Bundesland haben Rückenbeschwerden einen so großen Anteil an den Gesamtfehlzeiten. Erkrankungen des Bewegungsapparates (Muskelund Skeletterkrankungen) waren sogar für jeden fünften Krankheitstag in Niedersachsen verantwortlich.

Vorteile einer Operation nur schwer belegbar.
Vor zehn Jahren wurden in Niedersachsen rund 34.600 Patienten wegen Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens im Krankenhaus behandelt. 2009 waren es mehr als 51.000 Fälle – ein Anstieg von fast 50 Prozent. Aktuelle Studien zeigen jedoch: Die Vorteile einer Wirbelsäulen-Operation lassen sich nur schwer belegen. Nur in wenigen Fällen ist bei Rückenschmerzen eine Operation dringend erforderlich. Bei der überwiegenden Zahl der Patienten klingen die Schmerzen mit konservativen Behandlungsmaßnahmen ebenso gut ab. Auch die TK rät bei Rückenoperationen zu Zurückhaltung und empfiehlt Patienten, sich im Rahmen des integrierten Zweitmeinungsverfahrens über das Für und Wider einer Rückenoperation aufklären zu lassen. "Studien zeigen, dass gerade im Rückenbereich konservative Therapien wie Krankengymnastik oder Entspannungsverfahren eine adäquate Alternative zur Operation sind - auch bei Patienten, die schon einmal am Rücken operiert worden sind", so Dr. Sabine Voermans, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen. TK-Versicherte können bei Spezialisten in ausgesuchten Schmerzzentren, die sich auf die Behandlung von Rückenerkrankungen
spezialisiert haben, zu ihrer geplanten Rückenoperation eine qualifizierte zweite Meinung einholen und gegebenenfalls einen Vorschlag für eine alternative Therapie erhalten.

"Schmerzen an sich sollten kein Anlass für eine Operation sein, da der langfristige Effekt einer Operation meist kein besseres Ergebnis als die schonendere, konservative Therapie bringt", sagt Dr. Thomas Nolte, Facharzt für Anästhesiologie und Regionalleiter des Schmerzzentrums Wiesbaden. Für einen Eingriff müssen aus seiner Sicht deutlich „härtere Kriterien“ erfüllt sein, wie beispielsweise Lähmungen der Blase oder des Darms.

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